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Die Quadratur des Kreises – Negative Einschätzungen des Angebotes am Wohnungsmarkt

10. April 2012
Carmen Keckeis
Wohnen & Leben

Sind Sie mit Ihrer Wohnung und der Wohnumgebung 100%ig zufrieden? Gibt es nichts, dass Sie ändern würden, wenn Sie könnten? Fällt Ihnen gar nichts ein? Dann zählen Sie zu den wenigen Glücklichen, die das von sich behaupten können – wunschlos glücklich mit der Wohnsituation zu sein.

Denn laut Gilg und Schaeppi wohnen „98 Prozent noch nicht so (...), wie sie es gerne hätten“.1

... Oder wäre da vielleicht doch etwas – ein (größerer) Balkon wäre doch was Tolles, mehrere verschiedene Geschäfte in der Nähe, ein zusätzliches Zimmer oder ein (geräumigerer) Abstellraum wären auch ganz praktisch... Aber das ist ja alles nicht gratis zu haben und das Wohnen wird auch immer teurer...

ORF: "Wohnen wird wieder teurer"

Die Presse: "Wohnen wird teurer - Kategoriemietzins steigt"

Die Presse: "Betriebskosten und Mieten werden deutlich steigen"

Für die meisten Menschen, die nicht im Lotto gewonnen, keinen reichen Erbonkel haben, oder Ähnliches, stellt die eigene Wohnsituation eine Kompromisslösung dar zwischen den Wohnwünschen und dem, was sie sich leisten können. Denn zumeist können aufgrund materieller Einschränkungen nicht alle Wohnwünsche erfüllt werden. Also entweder der Garagenabstellplatz oder die Nähe zum Arbeitsplatz... Und irgendwann hat man sich dann an die Wohnung und Wohnumgebung gewöhnt und man ist ja eigentlich eh zufrieden hier. Man hat sich sein Leben hier aufgebaut. Die Suche nach einer optimaleren Wohnung und dann erst ein Umzug – das ist extrem mühsam. Auch wenn die Wohnung eigentlich nicht mehr so gut zur aktuellen Lebenssituation passt – will man sich wirklich die Suche nach einer Wohnung und einen Umzug aufbürden?

Die im Rahmen meiner Diplomarbeit zum Thema Selfstorage geführten Interviews ergaben, dass sich Viele vor allem deswegen gegen einen Umzug entscheiden, weil sie das Angebot am Wohnungsmarkt sehr negativ einschätzen. Eine optimale Wohnung zu finden ist für die Befragten mehr oder weniger unmöglich – das stellt die Quadratur des Kreises dar, so etwas wie eine ideale Wohnung gibt es ihrer Meinung nach nicht, das wäre wie eine Eierlegende Wollmilchsau zu finden. Diese Einschätzungen können kaum als Ausrede interpretiert werden, da man eigentlich gar nicht umziehen möchte und ist auch nicht nur auf eine mobilitätsvermeidende Haltung (Mobilophobie?) zurückzuführen. Denn es wird auch in einschlägiger Literatur immer wieder kritisiert, dass das Angebot am Wohnungsmarkt zu wenig individuell und vielfältig ist und sich zu langsam an aktuelle und verschiedenartige Wohnbedürfnisse anpasst. Dies ist unter anderem auf die Langlebigkeit von Wohngebäuden zurückzuführen – sie werden für mehrere Generationen gebaut, ein großer Teil der Wohnbauten in Wien wurde noch vor dem Zweiten Weltkrieg fertiggestellt. Auch ist das Angebot, durch die vielfach immer noch andauernde Orientierung der Wohnungsmarktakteure am Leitbild des „familiengerechten Bauens und Wohnens“, zu wenig an die heute feststellbare Vielfalt der Familien- und Haushaltsformen angepasst. Somit stellt sich für Viele die Frage des Umzugs erst gar nicht, man gibt sich damit zufrieden was man hat und versucht sich diesen Platz bestmöglich anzueignen und an die Bedürfnisse anzupassen.

Ist Ihnen die Quadratur des Kreises geglückt? Ist Ihr persönlicher Platz, Ihre Wohnung ideal für Sie? Wenn nicht – wie versuchen Sie Ihren Platz zu optimieren? Welche Möglichkeiten bieten sich für Sie? Und was könnten Akteure am Wohnungsmarkt ändern, damit mehr Menschen leichter eine ideale Wohnung, einen optimalen Platz zum Wohnen für sich und ihre Familie, finden? Kann es so etwas wie eine ideale Wohnung überhaupt geben, die sich variabel an die sich im Laufe eines Lebens verändernden Wohnbedürfnisse und Haushaltszusammensetzungen anpasst?

1 Gilg Mark, Schaeppi Werner (2007): Lebensräume. Auf der Suche nach zeitgemäßem Wohnen. Verlag Niggli AG. Sulgen/Zürich. S.35

Carmen Keckeis

Carmen Keckeis studiert Soziologie an der Universität Wien. In ihrer Diplomarbeit beschäftigt sie sich mit dem urbanen Phänomen Selfstorage und mit der Frage, warum diese Dienstleistung in Wien auf eine so große Nachfrage trifft. Als Ursachen für den gestiegenen Bedarf nach zusätzlichem Stau- und Lagerraum identifiziert sie unter anderem gesamtgesellschaftliche Entwicklungen, die veränderte Platzbedürfnisse nach sich ziehen. Aus der Beschäftigung mit der Thematik Selfstorage ergaben sich für sie weitere interessante Fragestellungen, die sie beabsichtigt vertiefend zu erforschen.

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